V2A oder V4A – bei Edelstahl-Rohrverbindern ist das die einzige Materialentscheidung, die Sie treffen müssen. Sie kostet Geld, wenn man sie zu großzügig trifft, und sie kostet deutlich mehr Geld, wenn man sie zu knapp trifft.
Was die Bezeichnungen bedeuten
V2A und V4A sind keine Normbezeichnungen, sondern eingebürgerte Kurznamen aus der Werkstoffgeschichte. Gemeint sind:
- V2A = 1.4301 (X5CrNi18-10), auch als AISI 304 bekannt. Chrom-Nickel-Stahl, der Standardwerkstoff für Edelstahl im Bauwesen.
- V4A = 1.4404 (X2CrNiMo17-12-2), AISI 316L. Zusätzlich mit rund 2 % Molybdän legiert.
Das Molybdän ist der ganze Unterschied. Es macht die Passivschicht widerstandsfähig gegen Chloride – also gegen Salz.
Wann V2A reicht
In normaler Innen- und Außenluft ist 1.4301 dauerhaft beständig. Das deckt den größten Teil aller Anwendungen ab:
- Geländer und Handläufe an Wohn- und Bürogebäuden im Binnenland
- Innenräume aller Art
- Treppen, Balkone, Terrassen ohne besondere Belastung
- Möbel- und Ladenbau
Wann es V4A sein muss
Sobald regelmäßig Chloride ins Spiel kommen, ist 1.4404 die richtige Wahl:
- Küstennähe – Salz in der Luft, auch ohne direkten Spritzwasserkontakt. Als Faustregel gilt ein Streifen von einigen Kilometern ab der Küste.
- Schwimmbäder – besonders in der Halle. Chlorhaltige Luft ist für V2A auf Dauer zu aggressiv.
- Streusalzbereiche – Tiefgaragenzufahrten, Treppen an Straßen, Parkhäuser.
- Industrieatmosphäre mit Chemikalien- oder Abgasbelastung.
Ein Sonderfall, der oft übersehen wird: tragende Bauteile in Schwimmbadhallen. Dort greifen zusätzliche Anforderungen an spannungsrisskorrosionsbeständige Werkstoffe, für die auch 1.4404 nicht in jedem Fall ausreicht. Das gehört in fachkundige Planung.
Was passiert, wenn man zu knapp wählt
V2A rostet in salzhaltiger Umgebung nicht flächig, sondern punktuell – Lochkorrosion. Man sieht zuerst kleine braune Punkte, die sich wegputzen lassen und wiederkommen. Darunter frisst sich die Korrosion in die Tiefe. Bei tragenden Teilen ist das ein Sicherheitsthema, bei sichtbaren Geländern schlicht ein optisches Ärgernis, das nicht mehr weggeht.
Was Flugrost damit zu tun hat – nichts
Braune Schleier auf neuem Edelstahl sind meist Fremdrost: Eisenpartikel von Schleifscheiben, Werkzeugen oder benachbarten Stahlarbeiten, die sich auf der Oberfläche festgesetzt haben. Der Edelstahl selbst ist intakt. Abhilfe schafft Beizen und Passivieren oder, bei leichtem Befall, ein Edelstahlreiniger. Vorbeugen ist einfacher: Edelstahl nie mit Werkzeug bearbeiten, das vorher an unlegiertem Stahl war.
Mischen vermeiden
Wenn schon V4A, dann konsequent – auch bei Schrauben, Dübeln und Befestigungsmaterial. Eine V2A-Schraube in einem V4A-Bauteil ist die Schwachstelle, und in Verbindung mit Feuchtigkeit entsteht zusätzlich Kontaktkorrosion.
Im Shop
Unser Edelstahl-Sortiment umfasst 246 Artikel, davon 51 in V4A. Die Güte steht in jedem Artikeltitel und lässt sich im Filter Material direkt auswählen. Oberfläche ist durchgehend geschliffen Korn 240.
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