Geländerhöhe: Welche Höhe ist vorgeschrieben?

Vor jedem Geländer steht dieselbe Frage: Wie hoch muss es sein? Es gibt darauf keine einzige Zahl, sondern drei Regelwerke, die nebeneinander gelten – je nachdem, wo das Geländer steht und wer es benutzt.

Die drei Fälle im Überblick

Situation Mindesthöhe Grundlage
Gebäude, Absturzhöhe bis 12 m 0,90 m Landesbauordnung (nach Muster § 38)
Gebäude, Absturzhöhe über 12 m 1,10 m Landesbauordnung
Arbeitsstätte / Betrieb 1,00 m ASR A1.8
Treppengeländer im Betrieb 1,00 m über Stufenvorderkante ASR A1.8

Die Bauordnung ist Ländersache. Die genannten Werte stammen aus der Musterbauordnung, die die meisten Länder übernommen haben – im Zweifel gilt die Bauordnung Ihres Bundeslandes, bei genehmigungspflichtigen Bauten die Aussage der Bauaufsicht.

Ab wann braucht es überhaupt ein Geländer?

Im Baurecht ist die Schwelle typischerweise ein Höhenunterschied von mehr als 0,50 m an Flächen, die zum Begehen bestimmt sind – Balkone, Galerien, Dachterrassen, freie Seiten von Treppenläufen. Im Arbeitsschutz greift die Absturzsicherung ab 1,00 m Absturzhöhe; in besonderen Fällen, etwa über Wasser oder Behältern mit gefährlichen Stoffen, bereits ab 0,20 m.

Der Punkt, der öfter übersehen wird: das Öffnungsmaß

Wo unbeaufsichtigte Kleinkinder hinkommen, darf das Geländer weder zum Überklettern einladen noch Lücken bieten, durch die ein Kind rutscht. In der Praxis heißt das: keine Öffnung größer als 12 cm und keine waagerechten Elemente, die als Leiter taugen. Bei senkrechter Füllung mit Rohren Ø 21,3 mm ergibt das rund 14 cm Achsabstand.

Treppen

Bei Treppen wird die Geländerhöhe lotrecht über der Stufenvorderkante gemessen, nicht ab dem Podest. Der Handlauf selbst liegt üblicherweise zwischen 0,90 m und 1,10 m; DIN 18065 lässt für notwendige Treppen einen Bereich zu, in dem sich 0,90 m als Standard eingebürgert hat. Notwendige Treppen brauchen mindestens einen Handlauf, breite Treppen und solche im öffentlichen Bereich beidseitig.

Was das für die Konstruktion bedeutet

Ein Geländer muss nicht nur hoch genug sein, es muss die horizontale Holmlast aufnehmen – im Wohnbereich üblicherweise 0,5 kN/m, in Bereichen mit Menschenansammlung 1,0 kN/m und mehr. Bei einer Rohrkonstruktion entscheiden darüber der Pfostenabstand, der Rohrdurchmesser und die Befestigung im Untergrund, nicht der Verbinder allein.

Bewährte Auslegung für ein Geländer aus Rohrverbindern:

Die geprüften Biegemomente und Auszugskräfte unserer Verbinder stehen auf der Seite TÜV-geprüfte Rohrverbinder. Eine Anleitung für den Aufbau finden Sie unter Geländer selber bauen.

Dieser Text ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung und kein Standsicherheitsnachweis. Bei genehmigungspflichtigen Bauten und im gewerblichen Bereich entscheidet die zuständige Behörde bzw. der Tragwerksplaner.

Häufige Fragen

Wie hoch muss ein Balkongeländer sein?

Nach Musterbauordnung mindestens 0,90 m bei einer Absturzhöhe bis 12 m, darüber mindestens 1,10 m. Maßgeblich ist die Bauordnung des jeweiligen Bundeslandes.

Welche Geländerhöhe gilt im Betrieb?

In Arbeitsstätten fordert ASR A1.8 mindestens 1,00 m, bei Treppen lotrecht über der Stufenvorderkante gemessen.

Wie groß darf der Abstand zwischen den Füllstäben sein?

Wo Kleinkinder hinkommen können, gilt als Faustregel eine maximale Öffnung von 12 cm, und waagerechte Elemente sollten das Überklettern nicht erleichtern.

Ab welcher Höhe ist ein Geländer Pflicht?

Im Baurecht in der Regel ab mehr als 0,50 m Höhenunterschied an begehbaren Flächen, im Arbeitsschutz ab 1,00 m Absturzhöhe.